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natürlichen Umgang mit frühgeborenen Kindern
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Vermeidung
einer Frühgeburt 2. Neue Wege im Umgang mit vorzeitigen Wehen In der Zeitschrift Int. J. Prenatal and Perinatal Psychology and Medicine Vo. 8 (1996) Nr. 2; S. 219 - 226 veröffentlichte die Gynäkologin Dr. Christine Schulz-Züllich einen Beitrag mit dem Titel: »Neue Wege im Umgang mit vorzeitigen Wehen in der geburtshilflichen Praxis« in dem ein sehr interessanter Weg aufgezeigt wird Frühgeburten zu vermeiden. Zitat [Schu96]: "Frühgeburtstendenzen werden definiert als sicht- und fühlbare Wehen vor der 37. Schwangerschaftswoche, die die Bestrebung haben, die Schwangerschaft vorzeitig zu beenden. .... Die Schwangere, besonders die Erstgebärende, hat oft die Schwierigkeit, diese vorzeitigen Wehen zu erkennen, da sie bei dem Begriff Wehe schmerzhafte Zustände erwartet und nur ein Zeichen als Warnung nicht ernst nimmt." Die vorzeitigen Wehen lassen sich mit dem Cardiotokographen (kurz CTG) beobachten, welches die Wehentätigkeit und die Herztöne des Kindes aufzeichnen kann. Um die Frühgeburtsrate zu senken suchte man vor einigen Jahren nach medikamentösen Möglichkeiten die vorzeitige Wehentätigkeit zu unterbinden. In die Assistentszeit von Frau Schulz-Züllich fiel die Entwicklung eines wehenhemmenden Medikamentes mit dem Namen Partusisten von dem man sich damals großen Erfolg versprach die Frühgeburtsrate zu senken. Zitat [Schu96]: "Das Partusisten hat zwei Wirkungen, es hemmt objektiv die Kontraktionen der Gebärmutter, die Aktivität der glatten Muskulatur, gleichzeitig hat es starke Effekte auf die Herzmuskulatur, es kommt zum Auftreten von Herzrasen, Tachykardien [Herzrythmusstörung mit einem Anstieg der Herzfrequenz über 100 Schläge pro Minute; Anm.] und massivem Tremor [Zittern; Anm.]. Dieses Medikament wird per os oder per Infusion gegeben, d.h. zur Bettruhe der Schwangeren kommt ein Angebundensein an den Infusionsständer. Trotz der massenhaften Anwendung des Partusistens, dieses Medikamentes der Extraklasse, sank überraschenderweise die Frühgeborenenrate in der BRD nicht, wie spätere Studien bewiesen. Das ist ein eklatanter Wiederspruch. Dazu kamen in den 80er Jahren kritische Studien, die zeigten, daß das Partusisten das Kind in Motilität [Gesamtheit der unwillkürlichen Muskelbewegungen; Anm.] und geistiger Entwicklung schädigen: Minimal Brain Damage wurde auch Partusisten zu Lasten gelegt und damit wurde eine Anwendung in bisheriger Weise ausgesprochen problematisch. Mein diffuses Mißbehagen der vorzeitigen Wehentherapie mit Klinikeinweisung, Bettruhe und 24-Stunden Tropf bearbeitete ich auf verschiedenen Ebenen: Ich begann mich um das Schwangerenbetreuungssystem der Niederlande zu kümmern und wurde fündig. Hier sehe ich zwei positive Momente, zum einen ist der Umgang zwischen den Generationen dichter, freundlicher und tabuloser, so dass die Erfahrungen der älteren Generation und die der jüngeren untereinander abends um 11 Uhr bei Kaffee und Kuchen ausgetauscht werden, eine Situtation in der sich die Schwangeren nach meiner Beobachtung gut aufgehoben fühlen. Zum anderen scheint mir wichtig zu sein, dass die Schwangerenbetreuung in Holland überwiegend durch Hebammen erfolgt, also kompetente Frauen, die systematisch die Chance geben, weibliche Identität und Wissen um Schwangerschaft und Geburt unhierarchisch zu vermitteln." In der Folge suchte Frau Schulz-Züllich bei Ihren Nachtdiensten im Krankenhaus das Gespräch mit den Frauen die Frühgeburtstendenzen zeigten und stellte fest, dass die benötigte Ruhe der Frauen im Krankenhauszimmer im Durchschnitt 63 mal in 24 Stunden gestört wurde, da jemand ins Zimmer kam um verschiedenerlei Tätigkeiten zu verrichten (Essen und Medikamente bringen, Putzdienste, Visite, usw.). Darüber hinaus sprachen die Frauen nicht von Ruhegefühl, da auch der extrem verschobene Kliniktagesablauf (wecken um 5.30 Uhr) einen aus dem normalen Rhytmus bringt. Zitat [Schu96]: "Die Bettruhe erwies sich im Empfinden der Frauen, die aus einer arbeitsintensiven Zeit plötzlich herausgerissen wurden, nicht nur als angenehm, entlastend oder beruhigend, viele waren ausgesprochen unruhig, Zuhause war nicht immer alles beruhigend geregelt und zurückgelassen, oft wurde die Sorge geäußert: was da wohl los ist?! Besonders wenn schon Kinder im Haushalt waren, konnten die Mütter diese Entfernung von der Belastung weder zulassen noch genießen, sie fühlten sich kribbelig, verstärkt von der Partusistenwirkung, die die Klinik mit großzügiger Valiumgabe beantwortet. Beim Aussprechen dieser Gefühle konnten sie häufig zum ersten Mal beginnen, sich über die Gründe der Wehenbereitschaft in dieser Schwangerschaft klarer zu werden, sie einmal zu äußern als Frage, als Möglichkeit, als Sorge, als Ärger oder Wut. Das Empfinden ZUVIEL war das überwiegende Maß war es ein Zuviel an Arbeit, sei es Zuhause oder im Beruf, mal ein Zuviel an Streß, zu wenig an Entlastung und Rücksichtnahme auf ihren Zustand als Schwangere, mal war es das Kleinkind, dass seinerseits das Unwohlsein der Mutter durch die Wehen mit Quengeligkeit und Unausstehlichektin beantwortete, mal waren es Ängste vor der Geburt, die Sorge, es nicht so zu schaffen, wie erwartet wurde, mal die Angst vor den partnerschaftlichen Konflikten, die sich manchmal noch in der Schwangerschaft abzeichnen, dass aus der eher stabilen Zweierbeziehung die instabilste, die Dreierbeziehung werden wird, mal war es der bevorstehende Umzug in eine renovierungsbedürftige Wohnung." Als wichtigsten Faktor
den Frau Schulz-Züllich als ungut oder gar falsch empfand, war die
Zunahme, nicht die Abnahme der Angst der Frauen. Zudem stellte sie fest,
dass die Therapie mit wehenhemmenden Substanzen die Häufigkeit und
Intensität von vorzeitigen Wehen nicht verringern konnte was aus
Ihrer Sicht logisch ist, da die Frauen mit ihren Sorgen, Ängsten
und Nöten immer noch nicht beteiligt werden. Im Folgenden Zitat beschreibt
Sie Ihre Arbeit im Umgang mit Schwangeren [Schu96] Zitat: "Als
ich die Arbeit in der Praxis begann, hatte ich selbst inzwischen meine
eigenen Erfahrungen mit meinen beiden Schwangerschaften und Geburten gemacht,
und konnte mich als Medizinerin und Schwangerschaftsbetreuerin mit anderen
Augen sehen und anders handeln. Ich hatte den Mut, die Schwangere mit
ihrem eigenen Streß zu konfrontieren, in dem ich die wahrgenommenen
Beobachtungen bei der Frau und meine Befunde offensiv mit ihr besprach.
Heute weise ich schon am Anfang der Schwangerschaft auf Wehenzeichen,
z.B. Ziehen, hin, ab abdominal fühlbarer Gebärmutter bringe
ich der Schwangeren regelrecht bei, die mögliche Wehe zu fühlen,
manuell zu registrieren und nicht einen Schmerz zu erwarten. Die vorzeitige
Wehe heißt zwar auch Wehe, aber sie tut erst weh, wenn der Muttermund
etwa 3 cm offen ist. Ich bitte die Frau, falls sie Wehen spürt sie
zu zählen und bei mehr als 15 pro Tag zu kommen. Damit lernt sie,
mit den Wehen umzugehen als ein Zeichen des Körpers für ein
ZUVIEL. Dieser Wahrnehmungshinweis erweist sich dann als gut, wenn ich
bei der Untersuchung eine Befundänderung bemerkte und diese Information
eher eine Erleichterung hervorruft, da die Schwangere richtig gefühlt
hat und sie somit nichts Unerwartetes trifft. Wenn diese Situation stattfindet,
kann ich auf Grund der Veränderung offensiv nach der Überbelastung
fragen, und vielleicht schon diesmal, wenn wir noch nicht so vertraut
sind, eher nächstes Mal besprechen, welche Entlastung auf welche
Art zu erzielen sein könnte. Einweisung ist fast nie die Folge. Oft
genüge schon ich als Mitwisserin des Problems und allein das Aussprechen
ist eine Erleichterung. Manchmal ist eine Aussprache mit den Beteiligten,
zu der ich Mut mache erfolgreich. Mal rufe ich auch den Partner an mit
der Aufforderung, an einer Entlastung mitzuwirken. Mal ist eine Woche
Pause gut, mal eine neue Babysitterregelung, mal ein Besuch bei einer
Freundin, mal das wegschicken der helfenden wollenden Mutter. Jedenfalls
habe ich den Eindruck, dass die Mitverantwortlichkeit und vor allem
die Veränderbarkeit eines einmal gefaßten Konzepts das
wichtigste Mittel war, die Ruhe herzustellen. Die reale Entlastung, daß
die Kollegen auf Grund eines Gesprächs rücksichtsvoller sind,
daß der Chef die Mehrbelastung wahrnimmt, weil sie ihm gesagt wurde
oder die Mutter womöglich verständig reagiert, wenn sie weggeschickt
wird, ist die beste der Handlungserfahrungen. Mit einer mutmachenden Grundhaltung,
die Situation in den Griff zu bekommen und mit dem Angebot engmaschiger
Kontrollen, z.B. vor dem Wochenende, vor wichtigen Terminen, habe ich
den Eindruck, daß die Frau wahrnehmen kann, daß ich ihre Lage
ernst nehme und natürlich auch, wenn nötig, gezielt therapiere.
Ich beteilige sie allerdings so, daß sie die Veränderungen
ihres Muttermundsbefundes erklärt und aufgezeichnet bekommt bis zum
Verstehen, damit wir zusammen Besprechen und entscheiden können: Die Ichstärkung statt sich sagen zu lassen, was für sie gut ist, führt sie wieder zu sich selbst. Sie kann nach der Irritation durch die Diagnose vorzeitiger Wehenbeginn, selber oder mit Hilfe herausbekommen, in welcher Konfliktlage sie sich befindet und statt das Kind "auszustoßen" den Konflikt rauslassen, dann können die Wehen - der Schmerz - deutlich nachlassen." Zur Medikation empfiehlt Frau Schulz-Züllich Bryophyllum wobei die Frau mit Ihr abgestimmt die Dosierung des Medikamentes in die eigene Hände nimmt. In ganz geringen Dosen empfielt sie auch das Medikament Partusisten. Zitat [Schu96]: "Partusisten dosiere ich schulmedizinisch gesehen inadäquat - dreistündlich eine viertel Tablette - , troztdem erziele ich mit diesen »homöopatischen Dosen« eine gute Wirkung." Sie erwähnt auch dass, es natürlich auch vorzeitige Wehen gibt, die durch eine Anomalie in der Schwangerschaft hervorgerufen werden und sich dem angesprochenen Therapiekonzept entziehen. Zu den Erfolgsaussichten schreibt Frau Schulz-Züllich, dass in Ihrer Praxis sie seit 1987 etwa 650 Schwangerschaften betreut und erlebt hat und nach einem enormen Rückgang heute nahezu keine Frühgeburten vor der 37. Woche habe. Zur Ergänzung sei hier neben der Arbeit von Frau Schulz-Züllich noch folgender Artikel genannt. In »Psychosoamtische Aspekte der drohenden Frühgeburt« in der Int. J. Prenatal and Perinatal Psychology and Medicine Vol.8 (1996) No. 2 S. 227 - 231 berichte Rupert Linder aus Birkenfeld; Zitat: "In einer gynäkologisch-psychotherapeutischen Praxis liegt die Frühgeburtenrate seit 7 Jahren bei ca. 1%, davon wurden nur 2 von 700 Kindern frührer als in der 36. SSW geboren. Unter der Annahme des wesentlichen Einflusses psychosomatischer Faktoren scheinen bei der drohenden Frühgeburt die auf das Ungeborene nach unten wirkenden Kräfte verstärkt zu werden. Bei Einsicht der werdenen Mutter ist jedoch durch unterstützende, lösungs- und konfliktorientierte Interventionen möglich, daß bei Entspannung der Mutter und Lösung der Konflikte sich die geburtshilflichen Befunde und das Befinden der werdenden Mutter deutlich verbessern."
Literaturhinweis:
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